Bitcoin: Zwischen digitalem Gold und vergoldetem Kunstprodukt

Spekulation und staatliche Konkurrenz: Die Zukunft des Bitcoin bleibt ungewiss. | Foto: iStock

Bitcoin: Zwischen digitalem Gold und vergoldetem Kunstprodukt

Kaum eine Anlage hat sich an den Börsen im Corona-Jahr 2020 so gut entwickelt wie der Bitcoin. Manche Investoren sehen in der Digitalwährung schon ein

Kaum eine Anlage hat sich an den Börsen im Corona-Jahr 2020 so gut entwickelt wie der Bitcoin. Manche Investoren sehen in der Digitalwährung schon eine Alternative zu Gold. Kritiker sehen aber triftige Gründe, vorsichtig zu sein.

2020 war auch für den Bitcoin ein denkwürdiges Jahr. Mit etwa 8000 US-Dollar ins Jahr gestartet, gab der Kurs während der ersten Corona-Welle im Frühjahr zunächst auf etwa 4000 Dollar nach. Danach folgte ein Kursanstieg, der seinesgleichen sucht. Anfang 2012 überstieg die Kryptowährung kurzzeitig die 40.000-Dollar Marke.

Mit einem Kursplus von bis zu 1.000 Prozent kann kaum eine andere Anlage auf der Welt mithalten. Die nach Bitcoin zweitgrößte Digitalwährung Ether hat zuletzt ebenfalls stark vom Bitcoinboom profitiert. Sie ist erstmals seit Anfang 2018 wieder mehr als 1000 Dollar wert.

Bitcoin als Zahlungsmittel „weitgehend ungeeignet“

Gründe für die jüngste Kursexplosion gibt es einige. Vor allem gehe es aber um den Ruf der ältesten und bekanntesten Digitalwährung: Erdacht während der großen Finanzkrise 2008, haftet dem Bitcoin seit jeher ein zweifelhafter Ruf an. Kritiker monieren, die Digitalwährung könne aufgrund (fast) anonymer Zahlungsprozesse leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden.

Inzwischen setzen aber auch große Bezahldienstleister auf digitale Währungen. So arbeitet Facebook an „Libra“ und PayPal ermöglichte jüngst seinen US-Kunden den Handel mit Kryptowährungen. In diesem Jahr sollen auch Transaktionen in Bitcoin und anderen Digitalwährungen folgen.

Nun stellt sich die Frage, ob die Kryptowährungen nachhaltig von diesen Entwicklungen profitieren kann. Denn wesentliche Kritikpunkte bleiben: Als Zahlungsmittel sei der Bitcoin weitgehend ungeeignet. Zu stark sind seine Kursschwankungen. Zu hoch ist der Energieverbrauch in der Herstellung (Mining) und zu langatmig und teuer ist die Transaktionsabwicklung, denn der Rechenaufwand steigt mit jeder neuen Transaktion und jeder neuen Münze. Die Kernidee des Erfinders, der bis heute nur unter dem Pseudonym Satoshi Nakamotos bekannt ist, war aber gerade die Erschaffung eines neuen Zahlungsmittels.

Digitales Gold oder nur vergoldetes Kunstprodukt?

Nicht nur als Zahlungsmittel, auch als Finanzanlage bleibt der Bitcoin umstritten. Hauptkritikpunkt sind wiederum seine teils heftigen Kursschwankungen. Häufig hat die Digitalwährung auf starke Wertzuwächse mit starken Kurseinbrüchen reagiert. So geschehen nach der Rekordjagd 2017 als auch jüngst um den Jahreswechsel. Die Analysten der US-Bank JP Morgan trauen Bitcoins sogar zu, auf längere Sicht eine Art Goldersatz zu werden – wenn sich seine Kursentwicklung verstetigt.

Der Vergleich mit Gold liegt aus mehreren Gründen auf der Hand. Wie Gold ist der Bitcoin aufgrund seiner technischen Begrenzung auf etwa 21 Millionen Münzen knapp. Zudem nutzen einige Investoren die Kryptowährung als Finanzanlage etwa zur Absicherung gegen Kursschwankungen anderer Finanzanlagen in ihrem Besitz. Gold wird ebenfalls für solche Zwecken verwendet. Drittens profitieren beide von einem schwachen Dollar.

Der Vergleich mit Gold hinkt aber auch. Anders als Gold hat der Bitcoin keinen Eigenwert, da er eben nur digital als Belohnung für die Ausführung komplizierter Rechenprozesse existiert. Er ist damit weniger Anlagegenstand als vielmehr ein Kunstprodukt. Zudem steht die Sicherungsfunktion des Bitcoins in Frage: So folgt der Bitcoin der Kursentwicklung an den Aktienmärkten in der Regel wesentlich stärker als der Goldpreis, wie der Kolumnist und Wirtschaftsjournalist David Fickling zeigt. Als Sicherungsinstrument gegen Marktschwankungen scheint der Bitcoin damit nicht gerade prädestiniert zu sein.

Spekulation und staatliche Konkurrenz: Zukunft bleibt ungewiss

Die Zukunft des Bitcoins steht damit auf wackligem Fundament. Als Finanzanlage und erst recht als Zahlungsmittel bleibt die Kryptowährung höchst strittig. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele Zentralbanken eigene Digitalwährungen anstreben. Vielmehr dürfte das Gegenteil der Fall sein: Sollte sich die Idee digitalen Notenbankgeldes durchsetzen, würde für Bitcoin und Co. eine starke Konkurrenz entstehen.

Kritiker warnen zudem vor dem Platzen einer Blase und sehen den Bitcoin weiterhin vor allem als Spekulationsobjekt, das vor allem für Privatanleger riskant werden kann. So gibt es etwa über Bitcoin-Terminkontrakte, sogenannte Futures, für professionelle Anleger die Möglichkeit, auf fallende Kurse zu wetten. Derzeit setzen viele Investoren aber auf weiter steigende Kurse. (ts)