Proteste in Russland erwartet – Klobürsten, Schneebälle und blaue Boxershorts gegen den Kreml

Protest gegen Vladimir Putin. | Foto: ALEXANDER NEMENOV/AFP via Getty Images

Proteste in Russland erwartet – Klobürsten, Schneebälle und blaue Boxershorts gegen den Kreml

In Russland werden am Sonntag erneut landesweite Proteste der Opposition gegen Präsident Wladimir Putin erwartet. Zu den nicht genehmigten Demonstrati

In Russland werden am Sonntag erneut landesweite Proteste der Opposition gegen Präsident Wladimir Putin erwartet. Zu den nicht genehmigten Demonstrationen (ab 10.00 Uhr MEZ) haben der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Unterstützer aufgerufen.

Bereits am vergangenen Wochenende waren zehntausende Menschen in mehr als hundert Städten auf die Straße gegangen. Die Sicherheitskräfte gingen teilweise brutal gegen die Protestierenden vor, mehr als 4000 Menschen wurden festgenommen.

In den vergangenen Tagen nahm die Polizei zudem mehrere Verbündete Nawalnys in Gewahrsam oder stellte sie unter Hausarrest, unter anderem den Bruder des Kreml-Kritikers. Nawalny war direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Moskau festgenommen und im Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. In Berlin war der Putin-Kritiker nach einem Giftanschlag behandelt worden, für den er den Kreml verantwortlich macht.

Klobürsten, blaue Unterhosen und Schneebälle

Mit unterschiedlichsten Protest-Symbolen bringen die Anhänger des Oppositionellen Alexej Nawalny ihren Widerstand gegen den Kreml zum Ausdruck:

Blaue Unterwäsche

Seit Dezember hängen Nawalny-Anhänger immer wieder blaue Boxershorts an Straßenschilder. In Online-Netzwerken veröffentlichen sie zudem Bilder von sich in blauer Unterwäsche und bei Protesten halten sie blaue Unterhosen in die Höhe.

Mit den Kleidungsstücken wollen die Demonstranten an den Giftanschlag auf Nawalny im vergangenen Sommer erinnern.

Nach Analysen mehrerer unabhängiger Labore wurde dabei der in der Sowjetunion entwickelte Nervenkampfstoff Nowitschok verwendet. Nawalny beschuldigt den russischen Geheimdienst, das Gift in seinen blauen Boxershorts angebracht zu haben.

Klobürsten

Vor rund einer Woche hat Nawalny zusammen mit seinem Team ein Video veröffentlicht, das einen Luxus-Palast an der russischen Schwarzmeer-Küste zeigt, der sich im Besitz des russischen Präsidenten Putin befinden soll.

Die Aufnahme wurde auf Youtube millionenfach angeschaut und setzte den Kreml-Chef massiv unter Druck. Die Nawalny-Recherche legte die Opulenz des 17.700 Quadratmeter großen Anwesens dar: Das Gelände umfasst ein Amphitheater, eine Kirche, Weinberge, eine Eishockey-Arena und ein Casino.

Den Anhängern des Kreml-Kritikers stieß aber offenbar besonders ein Detail sauer auf: Die luxuriösen Klobürsten im Wert von etwa 700 Euro pro Stück. Klobürsten tauchen seit Nawalnys Enthüllungen immer wieder bei den Protesten auf.

Schneebälle

Bei den Demonstrationen in Moskau bewarfen einige Demonstranten die Sicherheitskräfte mit Schneebällen. Die Aktivisten schrieben ihre Forderungen, darunter die sofortige Freilassung Nawalnys, in den Schnee – und mussten mitansehen, wie ein Polizist die Botschaften wieder wegwischte.

Auch das Fenster eines Autos, das angeblich einem Mitglied des russischen Geheimdienstes gehören soll, wurde zur Zielscheibe von Schneebällen und zerbarst. In Tarussa wurden drei Menschen festgenommen, weil sie einen Schneemann gebaut hatten, der ein Schild mit der Aufschrift „Freiheit. Wahrheit. Russland“ trug.

Sarkastische Tiktok-Videos

Viele Demonstranten rechnen bei einer Teilnahme an den Kundgebungen, bei denen am vergangenen Wochenende landesweit etwa 3500 Menschen festgenommen wurden, mit erheblichen persönlichen Konsequenzen.

Auf der Online-Plattform Tiktok veröffentlichten zahlreiche Nawalny-Anhänger vor den Protesten Videos zu einem Song mit dem Text „Ich werde ins Gefängnis kommen“ – und kündigten so an, dass sie trotz der Repressalien weiter zu den Demonstrationen gehen wollen. (afp)